Wie man sein Studium gestaltet, hängt wesentlich von der persönlichen Lernmethodik ab. Ich kann jetzt nur von mir reden, aber mein Lernkonzept sieht seit Schulzeiten so aus, dass ich einem Vortragenden aufmerksam folge, dabei Notizen mache, und dabei den Großteil des Stoffes direkt aufnehme. Zu Hause oder mit der Lerngruppe können dann direkt die verordneten Übungen bearbeitet werden ohne nochmal Stoff nachzuarbeiten. Dazu werden sowohl die Notizen herangezogen als auch die Literatur, die vom Dozenten für den Stoff angesagt wurde. Gegen Ende zur Prüfung werden nochmal die Notizen überflogen, um sicherzustellen, dass der Stoff vollständig im Kopf parat ist. Wirklich "gelernt" oder nochmal Stoff verinnerlicht wird dabei nicht, sondern lediglich in Erinnerung gerufen was man zuvor verinnerlicht hatte. Wenn man etwas übersehen hat, z.B. wenn es mangels Übungen untergegangen ist, dann ist hier die Gelegenheit das Wissen zu ergänzen.
Mit Lerngruppe meine ich die zwei, drei Kommilitonen, mit denen man sich üblicherweise näher anfreundet, weil sie genau dasselbe wie man selbst studieren und auch vom Verständnis her ähnlich ticken. Mit denen bearbeitet man Übungen oft als Gruppe gemeinsam. In manchen Vorlesungen wird bei manchen Übungen auch erwartet, dass nicht einzelne Studenten, sondern nur Lerngruppen ihre Ergebnisse einreichen.
Ein anderer mag sich Lernstoff anders aneignen. Es gibt Leute, die schwänzen Vorlesungen größtenteils und sagen, sie würden sich den Stoff aus dem Vorlesungsskript zu Hause aneignen. Diese Leute hatten meiner Beobachtung nach durchaus ihre Schwierigkeiten in der Klausur.
Es gibt auch das Fernstudium, bei dem man ausschließlich Dokumente und heutzutage wahrscheinlich auch Videos studiert. Das geht natürlich, nur fehlt die Dynamik einer Vorlesung. Es mangelt an der Einordnung des Stoffs, an der Wahrnehmung welche Sache wichtiger ist und welche Sache weniger wichtig. Auf dem Papier ist alles gleich wichtig, obwohl es in der Realität nicht so ist.
Ich weiß jetzt nicht, auf welche Videos konkret du dich beziehst. Wenn du meinst, du würdest praktisch jetzt schon studieren, dann sei dir gesagt, dass in naturwissenschaftlichen Fächern in einer richtigen Vorlesung viel Stoff unglaublich technisch und trocken erscheint und Seite für Seite einfach nur Fakten, Formeln und Beweise durchgerasselt werden. Vorlesung für Vorlesung, Stunde für Stunde. Ich weiß nicht, ob du solche in Serien gegossene komplette Vorlesungen in Videos meinst, oder ob du eher einzelne Vorträge meinst, die durchaus tiefgehend sein können, aber nicht den Vorlesungsstoff eines ganzen Semesters darstellen.