Für eine potentielle Abschaltung von IPv4 wird es wohl drei Phasen geben, wobei nur eine davon so etwas wie eine "amtliche" Abschaltung sein wird:
1. Alle Anschlüsse müssen zumindest prinzipiell IPv6-tauglich sein.
Das wird bei uns spätestens 2020, eher um 2018 der Fall sein.
2. Es wird der Zeitpunkt kommen, zu dem IPv4 - zumindest für uns - keine Rolle mehr spielt.
Früher oder später wird dann auch der Letzte begreifen, daß auch ein IPv6-Server allgemein erreichbar ist und mit schwindender Nutzung per IPv4 wird bei den Betreibern der jetzige Frust darüber, daß sie neben IPv4 auch noch IPv6 pflegen sollen, umkippen.
Wann das passieren wird kann man nicht genau sagen.
Das wird sich auch danach richten wie lange tatsächlich noch Elektronikschrott neu als internettauglich verkauft wird, obwohl er gar kein IPv6 kann und wie viele Anschlüsse bis dahin nur noch eingeschränkten IPv4-Support haben (XLAT464, DS-lite, CGN, ...).
Kommen wird es aber auf jeden Fall, genau so wie heute Serverbetreiber nicht einsehen, für "den einen Client" mit IPv6 bzw. DS-lite "schon" IPv6 bereitzustellen, so werden sie es irgendwann auch frusten, nur wegen eines Clients der immer noch kein IPv6 kann IPv4 pflegen zu müssen.
Da sind wir wohl eher bei einem Zeitraum von um die 10-15 Jahre, bei privaten Betreibern eher weniger, bei kommerziellen eher mehr:
Wenn ich privat mein NAS share habe ich eher weniger ein Problem damit den einen Hansel zu ignorieren der zu faul ist umzustellen, als wenn ich mit meinem Server Geld verdiene, a la Maxdome, Netflix, ...
Letztere werden IPv4 wirklich erst abschalten, wenn der Anteil der veralteten Geräte ohne IPv6 unter 5% liegt.
Da kann man von ca. x+8 Jahre ausgehen, wobei x der Zeitpunkt ist, an dem nur noch Restposten kein IPv6 können und 8 Jahre eine üppig kalkulierte Lebensdauer für elektronische Geräte ist.
x kann schneller kommen als man momentan denkt, denn sobald ein DS-lite-Kunde zwei Fernseher im Haus hat, einen Panasung mit IPv6 und einen Samsonic ohne und der Panasung spielt Streams viel flüssiger ab (Weil er nicht durch's AFTR-Gateway streamt), werden die Leute schnell auf Panasung umschwenken und Samsonic muß nachziehen.
3. Die tatsächliche Abschaltung von IPv4
Es gibt keine Zentralinstanz, die sagen kann "Wir schalten IPv4 jetzt ab", aber irgendwann werden nach Phase 1 und Phase 2 auch die Backbone-Betreiber - die den größten Aufwand mit zwei Protokollen haben - die Schnauze voll haben, alle Routen etc. doppelt zu pflegen.
Das wird allerdings noch sehr, sehr lange dauern.
Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es noch massig IPv4 für "alle" (Alle = alle die dort am Internet teilhaben).
Man hätte AfriNIC die letzte IPv4-Zuteilung nicht geben dürfen, sondern diese IPs dort zuteilen sollen, wo sie bereits gebraucht wurden.
Nicht um die Afrikaner zu diskriminieren, sondern vielmehr um sie gleichberechtigt zu behandeln. Durch den unterschiedlichen Fortschritt beim IPv4-Verbrauch ist der akute Bedarf nach IPv6 und Übergangsmechanismen dort gering.
Dementsprechend schlecht ist vorgesorgt und daraus folgend gibt es auf keinem Kontinent mehr Probleme beim Zugriff auf IPv6-Server als auf dem afrikanischen ...
Solange die Afrikaner jetzt nicht in Wallung kommen kann man IPv4 an den Backbones auch nicht abschalten ohne das Internet zu zerreißen.
Diese Phase kann also erst kommen, wenn die TUI auch über IPv6 beim kenianischen Hotel die Kapazitäten oder bei Egypt Air die freien Sitzplätze abfragen kann.