Der Preis fürs Kabel wird heiß
Ish verärgert mit drastischem Kostenschub viele Wohnungsbesitzer. Sie müssen 2007 die Nebenkosten erhöhen.Firmen-Taktik: Digitale Angebote aus der TV-Anschlussdose sollen für Kunden attraktiver werden
Essen. Erwin Andreas Riedel bekam in diesen Tagen einen Brief vom Kabelanbieter Ish. Als er ihn gelesen hatte, war der Wattenscheider nur noch sauer: "Das ist doch Wucher!" Auch er soll für seine vermieteten Wohnungen ab Januar 2007 rund 40 Prozent mehr für das TV-Kabel bezahlen. Der Grund? Wer bei der Ish-Hotline versucht, nachzufragen und irgendwann einmal durchkommt, erfährt: Die Preiserhöhung sei "eine Anpassung an die allgemeine Preisstruktur in Kabelgebiet Deutschland". Mit dieser nichtssagenden Auskunft verprellt der NRW-Kabelanbieter zurzeit viele Wohnungsvermieter. Und es werden täglich mehr, wie die Reaktionen von WAZ-Lesern zeigen. Der Redaktion liegen bereits viele ähnliche Fälle vor.
Für Ish-Pressesprecher Stefan Susbauer sind das dennoch "Einzelfälle". In der Regel seien von diesen Preiserhöhungen "nur Großkunden mit vielen Wohneinheiten betroffen". Sie hätten vor Jahren mit Ish-Vorgängerfirmen zum Teil Verträge abgeschlossen, bei denen die Preise "offenbar nach Mondstand oder andern nicht nachvollziehbaren Regeln festgelegt wurden". Dass diese Kunden "nun ein bisschen mehr bezahlen müssen", ist für den Ish-Mann nur logisch.
Außerdem, so Susbauer, müsse sein Unternehmen die höhere Mehrwertsteuer an die Kunden weitergeben. Zudem habe Ish kräftig in den Ausbau des Digitalnetzes investiert. Deshalb müssten - wie berichtet - auch Einzelkunden ab Januar bis zu 9 Prozent mehr für den Kabelanschluss bezahlen.
Doch diese Argumentation verärgert viele Kunden. Denn sie hätten ja nach wie vor einen analogen Kabelanschluss. Ein Ish-Kunde im Gespräch mit der Redaktion: "Warum soll ich für den Digitalausbau des Kabels bezahlen? Ich nutze diese Technik bisher doch gar nicht." Genau das will die Ish mit ihrer Preispolitik offenbar ändern.
Durch die aktuellen Preiserhöhungen wird der Kostenabstand zwischen analogem und digitalem Kabelabschluss deutlich geringer. Firmensprecher Susbauer: "Wer auf digital umsteigt, zahlt dafür kaum mehr, bekommt aber ein viel besseres Angebot. Er spart also dabei. Wer trotzdem beim analogen Anschluss bleibt, dem kann man nicht helfen." Ish wolle die analoge Technik "endlich abschütteln". Sie verstopfe das Kabel. Deshalb würden neue Digital-Kunden auch mit "Zuckerstückchen", wie einem kostenlosen Digital-Empfänger im Wert von 150 Euro, gelockt. Der Umstieg sei günstig und einfach, wirbt der Ish-Mann für diese Taktik.
Allerdings ganz so einfach ist das in der Praxis aber nicht. Denn ein wesentlicher Vorteil des analogen Kabelanschlusses gegenüber dem Satelliten- oder DVB-T-Empfang geht bei digitalen Kabelanschluss verloren: Reicht es beim analogen Kabel, Fernseher oder Videorecorder einfach an die Antennensteckdosen anzuschließen, so ist in der digitalen Welt für jedes Gerät zusätzlich ein Empfänger (auch Top-Set-Box oder DVB-C-Receiver genannt) notwendig. Ein Haushalt mit Kindern und mit je zwei Fernsehern und Videorekordern, muss die kostenlose Ish-Box also entweder ständig umstöpseln oder für jedes Gerät einen Empfänger kaufen. Das macht in diesem Beispiel nach Ish-Preisen 450 Euro.
In der analogen Kabelwelt tickt aber eine Zeitbombe. Denn die "wenigen Großkunden", die laut Ish von den Preiserhöhungen um bis zu 40 Prozent betroffen sind, werden diese Kosten in den nächsten Monaten an ihre Mieter weitergeben. Erst dann dürfte das ganze Ausmaß der Ish-Preisforderungen klar werden.
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