Hallo neto33, herzlich willkommen hier im Forum und in diesem Teil dessen.
Dein Text hat mich sehr erfreut. Er beschreibt im Prinzip das, was ich auch denke bzw. festgestellt habe.
Als Unitymedia von unseren Volksvertretern auserkoren worden ist, habe ich meine gepflegten Vorurteile gegen dieses Unternehmen kund getan. In den ersten anderthalb Jahren hatte ich aber ein weitaus zuverlässigeres Netz, als ich erwartet hatte. Und besonders die direkte und schnelle DE-CIX-Anbindung hat mich bis vor kurzem überzeugt.
Die Umschalt-Maßnehmen, die derzeit stattfinden, sind für mich Gängelung. Die Frage, die wir uns hier als Internet-Teilnehmer stellen sollten ist aber denke ich, wer unser Dienstleister überhaupt ist, aus welchem Marktbereich er eigentlich kommt und was sein Interesse zu sein scheint.
Dass genau dieses Verhalten, was wir hier jetzt beobachten, an den Tag gelegt wird, passt ins Unternehmensprofil. Auf einer Seite sollen Entertainment-Inhalte verkauft werden und auf der anderen spielt interaktiver Produktvertrieb oder wie man dieses "Klicke Reklame an und kaufe direkt aus dem Werbespot"-Rundum-Kundensorglos-Paket sonst nennen mag, eine Hauptrolle.
Die Frage ist nun nur, welche Rolle die Zugangsnetrzwerk-Dienstleistungen spielen werden. Ich schätze, eine eher untergeordnete. Fürs Internet und die Mehrwertdienste der neuesten Genration bedarf es identischer Grundstrukturen.
Sicher ist Liberty nicht ganz so schwergewichtig wie Google oder Fratzenbuch einzustufen. Nur, der Internet-Zugang ist m. E. ein hingenommener Nebenschauplatz, um Zugang zu den Haushalten und deren Fernsehern, Media.Centern usw. zu erhalten. Die Technologie des Hausanschlussnetzes, die eindeutig als Verteilnetzwerk und nicht als Anbindungssystem zu betrachten ist, ist aus meiner Sicht ein Indiz für die LGI-Interessen.
Dann noch ein Wort zum zweiten Dienstleister, der sich vom DE-CIX fernhält und eine Private-Peering-Polituk verfolgt. Es handelt sich hier, ich spreche es ganz offen aus, um Telekom. Welche Rolle dieses Unternehmen auf dem Markt spielen möchte und welche Strategie man verfolgt, ist mir ehrlich gesagt nicht sonderlich klar.
Das Kupfer-Doppelader-Anschlussnetz entspricht im Wesentlichen zunächst nicht mehr den technischen Standards. Die Frage ist aber, wie wichtig Telekom das Endkunden-Geschäft überhaupt ist. Ich könnte mir vorstellen, dass nur dort in neue Technologien investiert wird, wo es sich rechnet. Ansonsten ist mit Sicherheit mit einem bestehenden LWL-basierten Netzwerk, dass die Anbindungsnetzwerke an die Netzknoten anschließt, auch Geld zu verdienen.
Und dann noch ein Wort zum Bandbreiten-Wahn und der Preisgestaltung: Das was hier derzeit stattfindet, ist für mich vergleichbar mit der Marktliberalsierung des Strommarktes. Irgendwie versucht man, sich eine Kundenstamm zu sichern und Wettbewerber klein zu hakten. Wenn dann die Kunden aufgeteilt sind, wird eine Preisrunde der nächsten folgen.
Ob man sich vorher noch von der Allgemeinheit die Aufrüstung der Zugangsnetzwerke/letzten Meilen finanzieren lässt, kann ich nicht abschätzen.
Ich weiß, das ist jetzt recht polarisierend, vielleicht auch provozierend.
Und zum Schluss: Was sagt eigentlich DE-CIX zu dieser Entwicklung? Wie sieht sich DE-CIX selbst in Zukunft? Welche Vision hat eco e. V. für das Internet?