Haben wir wiklich diese Geiz-ist-Geil-Mentalität?
Ein bisschen ja.
Aber die Regel ist eher, dass nüchtern und vernünftig entschieden wird, nicht für etwas extra Geld auszugeben, das einem keinen wirklichen Vorteil für die persönlichen Bedürfnisse bietet.
Auch wenn z.B. hier im Forum ein anderer Eindruck entsteht: Der
Masse der Kunden ist es nur wichtig, dass das Internet funktioniert (d.h. dass sie browsen können, ihre mobilen Geräte im Haushalt eine Verbindung bekommen usw.). Wenn man über Jahre hinweg sich für den IT-Bereich interessiert hat, wird man meistens wie ich quasi "Betreuer" in einem kleineren Freundeskreis und auch bei Verträgen und Beschaffungen um Rat gefragt, da man in dem Kreis weiß, dass ich nicht aus meiner eigenen Bedürfnisposition berate und Sachen aufzwinge sondern letztlich versuche, eine Beratung zu machen, die deren Bedürfnissen entspricht, ihnen allerdings die Verbesserungsmöglichkeiten aufzeige. So glaube ich recht gut beurteilen zu können, wie solche Entscheidungen ablaufen.
Wechsel von DSL-6000 auf eine schnellere Bandbreite: brauche ich nicht, das Internet ist mir schnell genug
Erreichbarkeit der eigenen Hardware aus dem Internet: wofür soll das gut sein?
Streamen von Filmen aus dem Internet: Mir reicht, was im linearen Fernsehen läuft.
Sammeln von Filmen: Ich will nur mal aufnehmen können und lösche die Aufnahmen nachdem ich sie angesehen habe ohnehin wieder.
Eigener Medienserver und Gigabit-Geschwindigkeit im eigenen Netz: Uninteressant, mich interessiert nur, dass ich ausreichend schnell ins Internet komme.
Smart-Home: Was soll ich mit dem Scheiß.
usw.
Ich sehe das also nicht unbedingt als Ausfluss einer "Geiz-ist-geil-Mentalität" sondern eher positiv als nüchterne Abwägung und Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse. Warum für etwas Geld in die Hand nehmen, was einem keinen Vorteil verspricht?
Im Prinzip lassen sich eben nicht in jedem Lebensbereich bei allen Kunden gleichermaßen die Bedürfnisse durch Angebot und Anbieter hervorrufen sondern manchmal entscheidet der Kunde auch ganz einfach pragmatisch und vernünftig nach seinen schon vorhandenen Bedürfnissen.
Mir sagte zuletzt ein Freund, als ich ihn darauf hinwies, dass er für fast das gleiche Geld beim gleichen Provider beim Wechsel auf von ADSL auf VDSL eine 8-fach höhere Bandbreite bekäme:
Dafür habe ich keinen Leidensdruck. Mir war das Internet noch nie zu langsam. Warum soll ich dann die mit einer Vertragsumstellung vorhandenen Risiken eingehen und auch noch eine neue Fritzbox kaufen, die VDSL kann?