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In den letzten Tagen habe ich einige Male über belegdols Anliegen, die Dämpfung der benötigten Multimediadose zu ermitteln, nachgedacht. Dies interessiert mich sehr, insbesondere wäre es für viele andere Personen, die sich nicht berufsmäßig mit dem Thema Breitband-Kabelnetze befessen und daher nicht über ein professionelles Messgerät verfügen sowie für mich vorteilhaft, eine Methode zu kennen, die ohne professionelles Messgerät auskommt. Eine solche Methode habe ich mir überlegt, meines Erachtens sollte sie zumindest in der Theorie beispielsweise in belegdols Fall anwendbar sein. Höflich erlaube ich es mir, Sie alle um Ihre Meinungen zu meiner Methode zu bitten sowie gegebenenfalls Korrekturen und Verbesserungsvorschläge einzureichen.
Die Methode basiert darauf, dass Signalstärken, gemessen in Dezibel Millivolt, kurz dBmV, beliebig addiert und subtrahiert werden können. Des Weiteren ist eine Grundüberlegung, aufgrund des bekannten Dämpfungsverhaltens der verbauten Komponenten die Gesamtdämpfung der Strecke vom Verstärkerausgang bis zur Telekommunikationsendeinrichtung zu ermitteln. Meine Methode umfasst folgende Schritte:
1. Die Telekommunikationsendeinrichtung ist noch ganz normal an der Multimediadose angeschlossen, an die sie nach der Ersteinrichtung angeschlossen wurde. Im Konfigurationsmenü derselbigen wird für eine bestimmte Frequenz, beispielsweise 602 MHz (EuroDOCSIS-3.0-Kanal Nummer 15), die angezeigte Signalstärke in dBmV notiert.
2. Danach wird eine Liste wirklich aller Komponenten, die die Strecke vom Verstärkerausgang bis zum Eingang der Telekommunikationsendeinrichtung bilden, erstellt und die zugehörigen Datenblätter, welche Aufschluss über das Dämpfungsverhalten geben, bereitgestellt. Dazu gehören unter aderem: Verteiler, Abzweiger, Kabel, Dämpfungsglieder, Sperrfilter, Durchgangsdosen, Stichdose, Enddose, F-Stecker, gegebenenfalls mit integriertem Dämpfungsglied, Muffen, F-Verbinder, Reparaturstellen
3. Für die Kabelstrecken wird immer die Länge gemessen oder zumindest gut geschätzt.
4. Aus den Datenblättern wird für jede einzelne Komponente die Dämpfung für die gewählte Frequenz, im Beispiel also 602 MHz (gerundet 600 MHz) entnommen und auf der Liste neben der Bezeichnug der jeweiligen Komponente notiert. Bei den Kabeln muss die Dämpfung sowohl anhand der Angaben aus dem jeweiligen Datenblatt, als auch anhand der gemessenen beziehungsweise geschätzten Länge ermittelt werden.
5. Die Dämpfungen aller Komponenten, die die Strecke vom Verstärkerausgang bis zum Eingang der Telekommunikationsendeinrichtung bilden, werden zu einer Gesamtdämpfung addiert.
6. Zu der in Schritt eins festgestellten Signalstärke wird die in Schritt fünf festgestellte Gesamtdämpfung addiert. Damit hat man nun die Signalstärke, die der Verstärker im Normalbetrieb ausgibt, ermittelt. Diese wird notiert.
7. Nun beginnt man mit der Planung der neuen Strecke vom Verstärkerausgang bis zum Eingang des Endgeräts. Dazu wird die Bandbreite der Gesamtdämpfung ermittelt, die diese Strecke aufzuweisen hat. Dazu subtrahiert man von der in Schritt sechs ermittelten Signalstärke, die der Verstärker im Normalbetrieb ausgibt, einmal die maximale Signalstärke, die später an Eingang des Endgeräts anliegen darf. Ich meinte mich für den Fall einer DOCSIS-3.1-fähigen Telekommunikationsendeinrichtung an einen Wert von 5 dBmV zu erinnern. Dies ist die mininmale Dämpfung, die die neue Strecke aufweisen muss. Danach subtrahiert man von der in Schritt sechs ermittelten Signalstärke, die der Verstärker im Normalbetrieb ausgibt, einmal die minimale Signalstärke, die später an Eingang des Engeräts anliegen darf. Ich meinte mich für DOCSIS 3.1 an einen Wert von 0 dBmV zu erinnern. Dies ist die maximale Dämpfung, die die neue Strecke aufweisen darf. Die minimale und die maximale Dämpfung werden notiert.
8. Es werden alle Kompontenten notiert, die vorgegeben sind, also solche, die weder komplett neu eigebaut werden noch austauscht werden. Primär sind dies Komponenten, die man nicht austauschen kann, wie belegdols Uralt-Kabel. Für diese wird analog der Schritte drei bis fünf die Dämpfung errechnet, mit der diese vorgegebenen Komponenten das Signal auf jeden Fall beaufschlagen werden.
8. Nun wird ermittelt, wie viel minimale Dämpfung die neuen Komponenten haben müssen und wie viel maximale Dämpfung sie haben dürfen. Diese Werte werden ebenfalls notiert.
9. Anhand dieser verbleibenden Dämpfung dimensioniert man die übrigen Komponenten wie neue Verteiler, Abzweiger, Durchgangsdosen, Stichdose, Enddose, Dämpfungsglieder, Anschlusskabel für Endgeräte mit integriertem Dämpfungsglied.
10. Zur Kontrolle erstellt man nochmals eine Liste wirklich aller Komponenten, die die neue Strecke vom Verstärkerausgang bis zum Eingang des Endgeräts bilden werden und ermittelt analog zu den Schritten drei bis fünf die Gesamtdämpfung dieser geplanten Strecke.
11. Von der in Schritt sechs ermittelten Signalstärke, die der Verstärker im Normalbetrieb ausgibt, subtrahiert man die in Schritt zehn errechnete Gesamtdämpfung der neuen Strecke. Damit erhält man die Signalstärke, die voraussichtlich am Eingang des Endgeräts anliegen wird.
12. Wenn die in Schritt elf errechnete Signalstärke, die vorausslichtlich am Eingang des Endgeräts anliegen wird, innerhalb des Idealbereichs liegt, hat man alle zu dimensionierenden Komponenten zumindest hinsichtlich der Dämpfung korrekt dimensioniert. Ich meinte, der Idealbereich liege bei DOCSIS 3.1 zwischen 0 dBmv und 5 dBmV Herzlichen Glückwunsch! Wenn die in Schritt elf errechnete Signalstärke außerhalb des Idealbereichs liegen sollte, muss man nun seinen Rechenfehler finden, beheben und die Schritte zehn bis zwölf wiederholen.
Sehr hoffe ich, dass Sie beim Sichten meiner Anleitung Freude hatten, und ebenso sehr freue ich mich auf die weitere Konversation. Ich wünsche noch eine angenehme Nacht.
Mit freundlichen Grüßen
Jung-Fernmelder