- Unitymedia wird an Liberty Global verkauft ! Beitrag #1
Red-Bull
Malone übernimmt Unitymedia
Exklusiv Der US-Medienmogul John Malone feiert ein Comeback auf dem deutschen Kabelmarkt. Liberty Global kauft das Unternehmen Unitymedia - und bestätigt damit entsprechende FTD-Informationen.
von Sven Clausen Frankfurt, Angela Maier München und Arndt Ohler Hamburg
Liberty Global kauft den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Der Kaufpreis beträgt 3,5 Mrd. Euro, teilte Liberty am Freitagmorgen mit. Vom Kaufpreis entfallen 1,5 Mrd. Euro auf die Übernahme von Schulden.
Malone hat seit Langem Ambitionen auf dem deutschen Kabelmarkt, dem zweitgrößten der Welt - und bereits 2002 den Einstieg versucht. Damals wollte er der Deutschen Telekom das gesamte deutsche Kabelnetz abkaufen, scheiterte damit aber am Bundeskartellamt. Mit Liberty Globals Eintritt dürfte der Kampf um Neukunden für gebündelte Angebote aus Fernsehen, Internetzugang und Telefonie nun an Schärfe zunehmen. Kabelanbieter wie Unitymedia oder Kabel Deutschland haben sich zu ernsthaften Rivalen der Deutschen Telekom entwickelt. Die Telekom kontert, indem sie Kunden über ihre DSL-Leitungen Internetfernsehen offeriert.
Der US-Kabelbetreiber Liberty Global ist in den vergangenen Jahren durch Zukäufe überall in der Welt kräftig gewachsen und bereits in 14 Ländern aktiv. Malone ist Chairman des börsennotierten Konzerns und hält durchgerechnet etwa 35 Prozent der Stimmrechte. Das Übernahmeziel Unitymedia gehört seit dem Jahr 2003 Finanzinvestoren. Die größten Eigner sind die britische Private-Equity-Gesellschaft BC Partners mit 35 Prozent sowie der US-Investor Apollo mit 29 Prozent.
Unitymedia sollte eigentlich noch 2009 an die Börse gehen und hatte dafür die Banken UBS und Morgan Stanley mandatiert. Das Management um Firmenchef Parm Sandhu war in den vergangenen Wochen schon auf Roadshow gegangen, um das Interesse potenzieller Aktieninvestoren zu erkunden. Parallel haben Unitymedias Eigner jedoch in einem sogenannten Dual Track auch über einen Verkauf verhandelt. Nach FTD-Informationen war zeitweise auch der US-Medienkonzern News Corp. von Rupert Murdoch im Rennen.
Der Ausstieg der Investoren ist überfällig; meist halten Private-Equity-Gesellschaften ihre Unternehmen nur drei bis fünf Jahre. Schon im Sommer 2008 hatten die Investoren deshalb einen Verkauf ihrer Anteile über die Börse erwogen. Branchenkreisen zufolge war auch damals bereits mit Liberty gesprochen worden. Liberty hatte im Jahr 2005 auch den größten schweizerischen Kabelnetzbetreiber Cablecom vor dessen Gang an die Börse übernommen. BC Partners, Unitymedia und Liberty Global lehnten jeden Kommentar ab.
Unitymedia-Chef Sandhu kennt Malone seit Langem. Bevor er 2003 zur Unitymedia-Vorläuferfirma Iesy stieß, hatte der indischstämmige Brite als Finanzdirektor für Malone vergeblich den Kauf des Telekom-Kabelnetzes versucht. "Sandhu ist angetreten, um Deutschland reif zu machen als Marktplatz für internationale Medienkonzerne", heißt es in Branchenkreisen.
Der 41-Jährige hat Unitymedia aus mehreren Kabelfirmen geschmiedet und zu einem schlagkräftigen Konzern umgebaut. Die Firma mit etwa 1600 Mitarbeitern ist in den bevölkerungsstarken Bundesländern Hessen und Nordrhein-Westfalen tätig und hat 4,5 Millionen Kunden.
Für den Zeitraum Juli bis September 2009 veröffentlichte Unitymedia am Donnerstag um drei Prozent höhere Erlöse im Kabelgeschäft von 227 Mio. Euro. Das bereinigte Ebitda stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 113 Mio. Euro. Während die Nachfrage nach Internet- und Telefoniediensten boomt, verliert Unitymedia weiter Kunden für den analogen Basiskabelanschluss. Auslöser dafür sind Preiserhöhungen und die Umstellung auf digitales Fernsehen.
Liberty Global mit 16,7 Millionen Kunden und 22.000 Mitarbeitern hatte 2008 bei einem Umsatz von 10,6 Mrd. $ einen Verlust von 789 Mio. $ verbucht. 2002 hatten die Amerikaner noch 5,5 Mrd. Euro für den Zugang zu Kunden in 13 Bundesländern zahlen wollen. Malones Pläne stießen damals auf Proteste großer Teile der deutschen Medienbranche. Auch, weil Malone zugleich beim Abosender Premiere einsteigen wollte und Interesse am Kabelanbieter Tele Columbus hatte, der nun zu Unitymedia gehört.
Quelle: http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:kabelmarkt-malone-uebernimmt-unitymedia/50036807.html?mode=print