Naja, korrekterweise sollte man sagen, dass er bei einer gekauften 320GB Platte auch genau 320 GB erhält. Das, wovon du sprichst, sind GiB (Gibibyte). Die Festplattenhersteller rechnen mit Dezimalpräfixen und schreiben es auch so drauf. In der Software wird dann mit Binärpräfixen gerechnet, nur wird nicht immer die korrekte Einheit drangeschrieben. Auch der Windows Explorer z.B. schreibt GB, wenn er eigentlich GiB meint.
Ich verwende zwar inzwischen auch immer öfter GiB, nichtsdestotrotz ist dieses "physikalisch richtig" eine dämliche Ausrede:
Festplatten sind immer Computer-Speichermedien (Auch wenn der Computer "Receiver" heißt) und in der IT sind in einem kiloByte nun einmal 1024 Bytes, in einem MegaByte 1024 kiloByte, usw. usf.
Für die IT-Welt¹ ist das so und nicht anders richtig, dezimale xxxxByte sind nicht "physikalisch richtig", sondern einfach nur "falsch". Wenn ein Arzt eine Anamnese² aufnimmt, dann möchte er auch nicht "In der Nacht da er verraten ward, nahm er das Brot, brach es, dankte und sprach ..." hören, der Theologe aber schon.
Die Hersteller wären niemals auf diesen Trick (Nichts anderes ist es) gekommen, wenn die Festplatten dadurch "kleiner" wären.
Ich habe mir übrigens extra eine Notiz auf dem Computer hinterlegt, wie groß bestimmte Medien
tatsächlich sind, das ist insbesondere dann wichtig, wenn man Daten sichern will. Da gilt nämlich auch, daß ein 4,5 GB-DVD-Rohling bei weitem keine 4,5 G(i)B hat, eine Double-Layer-DVD hat ebenfalls keine 9 G(i)B, nein, nicht einmal 8 passen drauf!
Übrigens: Eine "1 TB"-Festplatte hat in Wirklichkeit nur 930 GB. Damit wird man um 94 Gigabyte beschissen, das entspricht mindestens 802 (In Worten: Achthundertundzwei) 120 MB-Festplatten, wie man sie noch Mitte der 90er Jahre im PC hatte. Eigentlich sind es noch viel mehr, denn schon damals waren die Angaben gelogen.
Das letzte Mal gestimmt haben dürften diese Angaben in den 70er/80er Jahren. Eine 180kB-Diskette hatte auch wirklich 180kB (180kB SS/SD formatiert im AMSDOS-Format: 178kB nutzbar, der Rest Inhaltsverzeichnis).
¹Einzige Ausnahme ist Apple, aber auch irgendwie wieder nicht. Apple verwendet wohl bei Mac OS X selber dezimale Größenangaben, aber ob die das konsequent bis ins Darwin hinein umgesetzt haben, wage ich zu bezweifeln. Außerdem hat Apple so viel mit IT zu tun wie Opel mit Autos.
²Anamnese = Heilsgedenken. Der Arzt versteht darunter eigentlich das Gegenteil, nämlich die Krankheitsgeschichte des Patienten. Die Theologen verwenden den Begriff semantisch korrekt für das Gedenken an das letzte Abendmahl und die Erlösung der Menschen von ihrer Sünde durch den Kreuzestod, also wirklichem "Heil". Trotzdem habe ich noch nie gehört, daß jemand den Ärzten die Aufnahme einer Anamnese madig machen wollte.