Dass dies natürlich dann konterkariert wird, wenn der Provider eine Quasi-fixe IP zuweist, so wie hier, steht auf einem anderen Blatt. Mir gefällt das offen gesagt auch nicht. Und nein, mich interessiert nicht, ob das jemand für paranoid hält oder nicht. Ich gehöre einer Generation an, für die es das normalste von der Welt war und auch heute weiterhin ist, dass man im Internet möglichst wenig von sich preisgibt und eben z.B. NICHT ohne Not mit einer fixen IP unterwegs ist. Zu "meiner Zeit [tm]" wäre keine Sau auf die Idee gekommen, jemandem, der keine fixe IPs mochte, Paranoia zu unterstellen, oder gar irgendwelche illegalen Aktivitäten. Ganz im Gegenteil.
Wann soll das gewesen sein?
Das ist natürlich Blödsinn, denn dynamische IPs waren schon immer eine Krücke für den Pöbel.
Krücke deswegen, weil man zu Zeiten von Einwählverbindungen damit noch mit einem IP-Pool<<Kundenzahl arbeiten konnte. Den Providern kam es zusätzlich nicht ungelegen, daß die ständigen IP-Wechsel die klassische Internet-Kommunikation prächtig behindern. Ein DNS-Server z.B. muß über eine statische IP verfügen, ein Hostname würde ja nicht funktionieren, da erst durch den DNS daraus eine IP werden kann ...
Auch findet man nach wie vor Zugriffsbeschränkungen auf IP-Basis vor, die natürlich - auch - durch dynamische IPs relativ wertlos sind:
ClientAddress=217.*.*.* 62.*.*.* 81.*.*.* 80.*.*.*
in der Benutzerdefinition eines FTP-Servers bedeutet nun einmal, daß jeder versch... T-Online-Benutzer Zugriff auf den Server hat, wenn er das dazugehörige Login/Pass-Paar ausspähen kann (Bei einer unverschlüsselten Anmeldung wie beim klassischen FTP auch kein Kunststück).
Man war bei der Definition der Protokolle einfach davon ausgegangen, daß man per exakter IP, also z.B. 217.143.45.56, Zugriffsbeschränkungen einrichten kann, die es erforderlich machen würden, zusätzlich zum Login/Pass auch noch physischen Zugriff auf den entsprechenden Rechner zu erlangen, weil der Zugriff eben an diesen Rechner gebunden war.
Bis heute wird übrigens z.B. für eMail-Konten die unverschlüsselte Anmeldung und für das Versenden von Mails sogar die alleinige Autorisierung per IP unterstützt (SMTP-after-POP), weil man nach wie vor nicht von 100%iger Verfügbarkeit von Software ausgeht, die eine verschlüsselte Anmeldung unterstützt!
Zukunftsweisend war das bestimmt alles nicht und die Einführung von verschlüsselter Anmeldung wäre eh fällig geworden, aber es zeigt, daß es absoluter Blödsinn ist, daß dynamische IPs jemals State-of-the-Art gewesen seien!
Vielmehr wurden sie erst nötig, als über Militär und Forschungseinrichtungen hinaus auch der Pöbel Zugang zum ARPANet, äh, InterNet erhielt und somit das Haushalten mit den Adressen nötig wurde.
O.g. Zugriffskontrollen oder z.B. Bans/K-Lines im IRC griffen damit ins Leere, einfach Disconnect<>Reconnect und man konnte mit neuer IP wieder weiternerven oder Scriptkiddie spielen ...
Erst damit kam überhaupt die heute gewohnte (Pseudo-)Anonymität auf, denn vorher gehörte ja eine IP fest zu Rechner xyz in Computerraum A der Universität B o.ä. ...
Daß neben den Providern (Für die natürlich die Behinderung von Servern und die Amnesie früher Filesharing-Tools bares Geld wert waren) auch die Benutzer daran Gefallen gefunden haben, kam dann tatsächlich erst dadurch, daß man als Scriptkiddie ungestraft seine Mitmenschen im IRC oder anderswo belästigen konnte und später dann eben der Niedergang des gesamten Internets außer dem Web, so daß das "Gezappel" (Also der ständige Wechsel der IP) zum Vorteil ("One-Click-Hoster") statt zum Nachteil (So mancher Admin hatte keinen Bock, Benutzer für FTP-Server einzurichten, deren IPs besonders stark zappelten - z.B. bei AOL) gereichte.
Eine gewisse Zuneigung zu dem dynamischen Gelumpe ist also tatsächlich eine relativ neue Entwicklung, deren Anfang man ungefähr auf 1995 datieren kann ... den Zeitpunkt, als die WinDAUs erstmals in der Lage waren, ins Netz einzufallen (Windoof 95) und dann dort auch nach und nach die Oberhand gewannen.
Übrigens: Mit zwingend statischen IPs gäbe es auch deutlich weniger Spam ... früher oder später wären nämlich alle Zombie-Rechner in Blacklists. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als solche Backlists für diverse Konfigurationsfehler (Offene Proxies, offene Mailserver, ...) in Gebrauch waren. Deren Bedeutung und Wirksamkeit ging dann allerdings zurück, als die Zombie-Rechner ständig ihre IPs gewechselt haben und im gleichen Moment eben der "Erbe" der gesperrten IP ausgeblockt wurde. Damit wurden solche Blacklists irgendwann weitgehend unbrauchbar ...