Ich kann es eh nicht verstehen, daß manche Leute freiwillig (= ohne Zwangsverkabelung) über Kabel fernsehen.
Oder man nimmt beides...
Der Kabelanschluss ist schon in den Mietnebenkosten vorhanden.
Daher ja die zitierte Einschränkung. Bei Zwangsverkabelung mit den entsprechend günstigeren monatlichen Kosten dauert die Amortisation einer Sat-Anlage natürlich länger, als wenn ich 17,90 EUR/mtl. spare.
Diese Geschäftspolitik ist mir eh unverständlich:
"Mengenrabatte" machen zwar theoretisch Sinn, aber eben nicht, wenn ich das Produkt im Endeffekt nur mit diesen verkauft kriege, dann sind es nämlich keine Mengenrabatte mehr.
Unitymedia erstellt bereits im Zusammenhang mit 1play vollwertige Kabelanschlüsse auch im EFH, diese Investitionskosten sind also eh weg. Dann versuche ich doch als Anbieter, dem Kunden möglichst viel zu verkaufen, um die Investitionen wieder reinzuholen. Das schaffe ich aber nicht, wenn ich eine "Strafgebühr" von 17,90 EUR/mtl. erhebe, bevor der potentielle Kunde ein weiteres "echtes" Produkt von mir kriegt.
Man sieht ja an der beständig abnehmenden Zahl von TV-Anschlüssen, daß Unitymedias Strategie nicht aufgeht. Kein klar denkender Mensch holt sich einen Kabelanschluß für 17,90 EUR ins Haus, wenn er mit dem Geld auch seine eigene Sat-Anlage bezahlen kann.
Hauen wir mal richtig auf die Kacke:
200 EUR - Mast und Masthalterung
85 EUR - 100cm Gibertini-Spiegel
8 EUR - Gibertini Multifeed-Halter für 2 LNB
184 EUR - 2x Kathrein Quattro LNB
200 EUR - Spaun Multischalter 9/16 K (Kaskadierbar)
80 EUR - 8x Kathrein ESD32 - Doppel-Sat-Dose
180 EUR - 300m Kabel Kathrein LC111
50 EUR - Kleinkram
Alles echt großzügig gerechnet und gute Qualität.
Summe: 987 EUR, sagen wir 1000 EUR
Dafür habe ich eine Sat-Anlage, die gleichzeitig Astra 19.2°E und Hotbird 13.0°E oder Astra 19.2°E und Astra/Eutelsat 28.3/28.5°E anschielen kann, genug Schlechtwetterreserve hat und 16 Teilnehmer bzw. 8 Twin-Tuner versorgen kann. Ggü. Kabel spare ich also ab dem 5. Jahr (5x 214,80 = 1074 EUR).
Die Kosten für die Receiver spielen dabei auch gar keine Rolle, denn für die 17,90 EUR kriege ich ja auch keinen, bzw. eine Schrottbüchse, die nicht einmal mit dem Xoro HRS 3500 für 25,25 EUR mithalten kann.
Erst mit den Receivern wird Kabel dann langsam halbwegs interessant, wenn man geringe Ansprüche hat.
Man kann die Receiver ganz schlecht rechnen, weil man so schlechte DVB-S-Receiver gar nicht kaufen kann. Suche ich Festplatten-Receiver für Sat, dann lande ich bei 328 EUR für den iCord HD mit 500 GB. Der ist, eine Miete von 6 EUR für den HD-Recorder angenommen, nach 4,5 Jahren amortisiert, was schon relativ lange ist. Nichtsdestotrotz hat man mit dem Gerät immerhin schon die Möglichkeit, eigene Filme darauf zu kopieren oder die Aufnahmen herunter zu kopieren und weit weniger Ärger als mit dem HD-Recorder von UM.
Nehmen wir einen Xtrend ET-9500 für 420 EUR, steigt die Amortisationszeit natürlich entsprechend leicht an (Ab dem 6. Jahr kann ich ja nicht mehr mit der Receiver-Miete alleine rechnen, sondern muß auch die Kabel-GG gegenrechnen, denn die Sat-Anlage ist dann abbezahlt), befinde mich dann aber in einer ganz andere Welt als mit dem Unitymedia-Kram.
Dabei darf man aber nicht vergessen: Der Sat-Receiver hat sich dann nicht nur ggü. dem Kabel-Receiver amortisiert, sondern ist wirklich abbezahlt, den Kabel-Kram muß ich dann immer noch irgendwann zurückgeben.
Außerdem vermietet Unitymedia durchaus gebrauchte Receiver, also müßte man eigentlich auch eben solche für DVB-S rechnen, z.B. einen Topfield HD PVR 7700, den ich für max.150 EUR bei eBay schießen kann und der mir dann ebenfalls Enigma2 bietet. Davon hätte ich nach 4,16 Jahren entfallener HD-Receiver-Miete bereits zwei komplett bezahlt ...
Will heißen:
Selbst mit Receiver steht Kabel noch relativ blöd da. Ich erhalte für das gleiche Geld wesentlich mehr, wenn ich mir selber anständige Sat-Receiver kaufe. Aber: Bei Amortisationszeiten über 4 Jahren wird natürlich auch ein Ausfall (=Neukauf) wahrscheinlicher, so daß Kabel hier immerhin mit der Sicherheit punkten könnte, daß mir in dem Falle der Miet-Receiver ausgetauscht würde.
Hier könnten die KNB punkten, wenn sie die Kabel-GG der Realität anpassen würden. Mancher würde evtl. eine monatliche Miete für den Receiver und einen schlechteren Receiver in Kauf nehmen, wenn er dafür nicht mehr das Risiko tragen müßte, das das Gerät ausfällt und ersetzt werden muß.
Solange der Hauseigentümer aber dauerhaft 17,90 EUR abdrücken muß, wird Kabel dabei niemals attraktiv, denn dadurch fällt die Amortisationszeit für neue DVB-S-Receiver irgendwann rapide ab, da die Sat-Anlage irgendwann abbezahlt ist, der Kabelanschluß hingegen nie. Ab da bezahle ich die 17,90 EUR faktisch nur noch für Receiver ...
Interessant wird es für den Eigenheimbesitzer eigentlich erst dann, wenn Ramsch-Pay-TV dazukommt, aber kein richtiges Sky (mit Paket):
Nur wenn mir TV Highlights genau reicht, bin ich mit 7 EUR/mtl. besser dran als mit den 12,90 EUR für Sky Welt. "Brauche" ich das komplette Sky Welt, dann liege ich mit TV Allstars für 15 EUR bereits höher.
Bei richtigem Pay-TV kann Kabel dann auch schon wieder nicht mehr mithalten:
Für Sky mit 2 Paketen bezahlt der Sat-Kunde 29,90, der Unitymedia-Kunde bereits 27,90 EUR für 1 Paket. Man muß da schon sehr gewitzte Kombinationen zusammenstellen, um in Ausnahmefällen etwas günstiger wegzukommen, wohlgemerkt nur für die Pakete, der eigentliche Anschluß ist - unter der Prämisse 17,90 EUR Straf-GG -
immer teurer.
Resümee: Unterm Strich rechnet sich Kabel derzeit
nie. Es würde sich nicht einmal wirklich rechnen, wenn die 17,90 EUR Strafgebühr entfielen, aber dann könnte es wenigstens unter dem Aspekt "Geräteversicherung" in Frage kommen.
Macht auch bilqualitätstechnisch mehr Sinn. Die 720p-Sender werden ja sonst vom HD-Rekorder auf 1080i zerrissen und dann vom TV noch mal deinterlaced. Das Ergebnis ist erwartungsmäß schlechter als wenn der TV direkt 720p reinkriegt.
So erwartungsgemäß ist das nicht. Das 720p-Bild muß ja auch jemand (Fernseher oder Receiver) skalieren ...
Die ÖR haben ihren Sonderweg 720p zwar damit begründet, daß Fernseher/Receiver besser skalieren als deinterlacen können, das hat sich aber in der Praxis dann doch nicht bewahrheitet.
Dann kommt noch hinzu, daß es kein Quellmaterial in 720p gibt, d.h. die ÖR skalieren den Kram von 1080i runter und deinterlacen, bevor sie es senden.