Mein Vater ist Elektriker und der hat die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen als der die Verkabelung und die Positionen der Steckdosen, Lichtschalter etc...gesehen hat. Der meinte: "Billigere Materialien und billigere Arbeitsweise gibt es nicht....."
Doch, geht immer.
Dümmere Arbeitsweisen kann ich Dir aber jederzeit zeigen.
Z.B.:
- die kürzeste Wechselschaltung der Welt (Nämlich zwischen den beiden Schaltern einer Kombination)
- Steckdose so angeschlossen: N und L (blau und schwarz) aus einem neuen Kabel kommend, Schutzleiter aber aus einem anderen, alten Kabel (Dort rot!) genommen, obwohl das Kabel tot ist und der Schutzleiter somit ohne Funktion ist, während der aus besagtem neuen Kabel sogar angeklemmt war.
- "belüftete" Montage von Unterputz-Dosen: Loch ausgestemmt, Dose reingelegt, Schalter und Steckdose darin montiert. Richtig, das Eingipsen als Arbeitsschritt fehlt nicht nur in meiner Auflistung (und nein, es wurden auch keine Kaiser-Krallen verwendet und selbst die dienen nur der Vorfixierung für's später Eingipsen).
- "Spar-Wechselschaltung" der ganz besonderen Art: Funktioniert nur in einer Richtung. Man muß also auch dort wieder einschalten, wo man zuletzt ausgeschaltet hat und umgekehrt. Nicht ganz der Sinn einer Wechselschaltung.
- Stegleitungen in Summe einen halben Meter breit (Nicht übertrieben) nebeneinander verlegt, bei nur einem Stromkreis und deutlich mehr Abzweigdosen als Steckdosen und Schalter vorhanden sind (Der Strom lief praktisch Zick-Zack).
- Stegleitung auf Stroh (bzw. die Latten darin) genagelt und gut eingequetscht.
- DIN-Vorzugshöhen mit Seitenabständen verwechselt: Schalter 1,05m von der Tür entfernt auf 20cm Höhe (Naja, nicht ganz, halben Meter von Tür und auf 85cm Höhe. Nein, nicht als behindertengerecht ausgelegt, da hätten 85cm gestimmt)
- Alle Kabel zur Unterverteilung bündig mit dem Gehäuse abgeschnitten, mit Lüsterklemmen verlängert und diese blank eingeputzt.
- Kupferschiene (unisoliert) für 12 Automaten abgesägt und drei darauf montiert, ein Überstand von 9 TE also.
Das sind jetzt alles so Meisterleistungen, die würde wahrscheinlich jeder Elektrickser als falsch erkennen.
Was ich aber ebenfalls faszinierend finde, ist die Arbeitsweise der Öcher Elektrickser:
Mal abgesehen davon, daß man hier die Wago-Klemme erst kürzlich entdeckt hat, haben die Öcher die Marotte, Verteilungen aufzubauen wie zu Kaisers Zeiten. Da kriegt dann eine 45qm-Wohnung auch mal zwei dreireihige Unterverteilungen (Reicht für 72 Automaten), weil man keine Dreiphasenschienen kennt und die Phasen grundsätzlich auf einzelne Reihen aufteilt, jede Reihe eine Phase, daher eben drei Reihen, egal ob in jeder Reihe am Ende nur ein Automat ist. Du wirst im Öcher Raum also grundsätzlich nur Unterverteilungen finden, die ein Vielfaches von drei Reihen haben.
Dein Antennenkabel neben der Herdleitung erklärt sich aber ganz einfach: Alles darf nichts mehr kosten und davon auch nur die Hälfte. Generalunternehmer heuern dafür marodierende Banden von Elektrounternehmen an, die für kleines Geld durch die ganze Republik eiern, um überhaupt noch Aufträge zu kriegen. Das darf wirklich gar nichts mehr kosten. Ich habe mir da schon einen Anschiß eingefangen, weil ich auf ein Objekt mit 3 WE einer der Wohneinheiten einen einzigen Kreuzschalter¹ spendieren wollte, anstatt den Bewohner später von einer Stelle aus im Dunkeln zum Lichtschalter tappsen zu lassen.
In Deinem Fall ging es dann wohl darum, einen zusätzlichen Schlitz zu sparen. Wobei man auch nicht vergessen sollte, daß viele Installationen deutlich älter sind als rückkanalfähige BK-Netze in Deutschland
Keinen Stern legen zu
müssen war lange eines der Argumente für Kabel-TV (Im Vergleich zu Sat).
Ganz ab davon, daß das Kabel in der Tat eigentlich geschirmt ist und das Signal nicht gleich abkacken sollte, nur weil daneben ein stromdurchflossener Leiter liegt.
¹Der Kreuzschalter ist relativ teuer und lohnt sich auch nur bei einem einzigen in einer Wechselschaltung, also drei Schaltstellen. Ab vier Schaltstellen (2 Wechsel- und 2 Kreuzschalter) würde man stattdessen an allen Schaltstellen Taster zzgl. einem Stromstoßschalter verwenden. Im o.g. Fall ging es aber um die 3. Schaltstelle an sich (Also ja oder nein) und nicht das "wie".